GRASSE

Die Welthauptstadt des Parfums:

Mit dem Bus fahre ich von der Küste Frankreichs in die Berge. Serpentinenartig schlängelt sich der Bus durch die kleinen Dörfer. Stück für Stück erobern wir die Voralpen, bis sich die kleine Stadt endlich aus dem Berg erhebt. An den alten Gebäuden erkennt man sofort, dass diese Stadt viel zu erzählen hat. Ich steige aus dem Bus und blicke, von der Sonne geblendet, über das Tal bis hin zum Meer. Der erste Eindruck ist perfekt!

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Grasse wurde erstmals 1040 erwähnt und war seitdem viele Jahrhunderte Bischofssitz und später Kurort. Deswegen sollte man unbedingt die Kathedrale Notre-Dame-du-Puy aus dem 13. Jahrhundert besuchen, die von innen aussieht als hätte man sie aus einem Stein geschlagen. Außerdem kann man Gemälde von Rubens und Fragonard dort bewundern. Doch was die Stadt wirklich auszeichnet, ist die Idee des Parfüms: von den Anfängen bis hin zur industriellen Herstellung – Grasse beherbergt noch heute über 30 Parfümfabriken.

Im 17. Jahrhundert entstand die Parfümerie aus der Gerberei. Um den Lederwaren einen angenehmeren Duft zu verleihen, wurden diese in Blüten gelagert und das Material zuvor in Duftöl eingelegt. Anschließend hat man die Extraktion von Blütensaft verfeinert und begonnen das Parfum im heutigen Sinne zu produzieren. Vorrangig Jasmin und Orangenblüten wurden zu Beginn verwendet. In Grasse gab es damals die charakteristischen Blumenplantagen, sodass die von Hand gepflückten Blüten sofort verarbeitet wurden. Heute ist diese Blumenpracht selten geworden und man importiert die Blüten. Dennoch sind diese noch immer handgepflückt, da die Blüten sonst beschädigt werden. Etwa 1 Tonne Blüten braucht man für einen Liter Essenz, der dann für die Parfümherstellung verwendet werden kann.

Eine Ausbildung zum Parfümeur dauert ganze 10 Jahre und auch dann ist man nur einer von vielen. Die echten Profis nennt man Nasen und von ihnen gibt es weltweit nur 80.Sie haben ein Geruchsgedächtnis wie kein anderer. Über 3.000 Gerüche können sie nicht nur unterscheiden und erkennen, sondern auch beliebig so kombinieren, dass stets etwas Gelungenes dabei herauskommt. Ob sie dafür 2 Wochen oder 3 Jahre brauchen, hängt von dem erdachten Duft ab. Die einzelnen Komponenten im richtigen Maß zusammenzusetzen, das ist die Kunst einer Nase.

All das und noch viel mehr, lernt und sieht man im Internationalen Parfümmuseum oder einer der zahlreichen historischen Produktionsstätten. Fragonard, Molinard und Galimard sind noch heute in Grasse ansässig und produzieren vor den Augen der Besucher ihre Parfums. Zudem bieten sie kostenlose Führungen in verschiedenen Sprachen und viele spannende Informationen.

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Ich selbst habe die Parfümerie Fragonard zweimal besucht und war echt begeistert. Der Familienbetrieb wird jetzt in der vierten Generation geführt und legt viel mehr Wert auf Qualität statt Quantität. In der historischen Produktionsstätte in der Altstadt werden die Parfumflakons teilweise noch von Hand befüllt und verschlossen. Es gibt insgesamt nur 3 Fabriken in Südfrankreich und die Produkte werden nur in Fragonard Boutiquen und nicht in großen Drogerieketten vertrieben. Außerhalb Frankreichs gibt es wohl nur 2 Geschäfte, die die hochwertigen Parfums verkaufen.

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Das Internationale Parfümmuseum wurde erst 2008 wiedereröffnet und bietet auf 3.500 Quadratmetern spannende Parfum- und Stadtgeschichte. Die Ausstellungsstücke beinhalten neben ausgesprochen vielen Parfumflakons auch Schminkgegenstände der alten Ägypter oder Reiseutensilien von Marie Antoinette. Außerdem gibt es an jeder Ecke auch ein paar Gerüche für die Nase – Rose, Thymian oder Cannabis. Es macht Spaß dieses Museum zu erkunden und ganz nebenbei ist eine tragende Wand die Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Auch das Museum habe ich schon zweimal besucht und trotzdem habe ich noch nicht alles gesehen – es lohnt sich!

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Das “Rom der Düfte” wie es bei Patrick Süsskind so schön heißt, ist wirklich einen Besuch wert. Das kleine 50.000 Einwohnerstädtchen duftet oft nach Lavendel, Zitrone, Jasmin oder Rosen und begeistert jeden, der etwas für schmale Gassen, alte Häuser und schöne Düfte übrig hat. In der Altstadt schaffen es die Sonnenstrahlen kaum auf den Gehweg und in jeder Ecke entdeckt man einen anderen kleinen Laden.

Wer mehr über die Parfümerie, die Geschichte und die “Nasen” wissen möchte oder gerne erfahren würde wie die Enfleurage funktioniert, sollte während seines Côte d’Azur Aufenthalts unbedingt in Grasse haltmachen.

ahoi-katharina

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2 Gedanken zu “GRASSE

  1. Iris B. schreibt:

    Auch ich war schon in Grasse und auch ich war begeistert. In die Museen habe ich es leider nicht geschafft, aber das muss offensichtlich noch nachgeholt werden 😀

    Liebe Grüße, Iris

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