Tote Mädchen Lügen nicht // Review

Ich dachte, ich sei raus aus dem Alter der TeenieFilme, die an Highschools spielen und bei denen coole Footballer das Sagen haben und Mädchen immer in Cliquen auftreten. Doch Tote Mädchen Lügen Nicht überrollte die Medienlandschaft mit ernsten Tatsachen und einer ehrlichen Darstellung. Kurzum die Serie war anders und man kam an ihr nicht vorbei. Ehrlich gesagt, war die Serie der Grund, warum ich überhaupt Netflix habe.

Zuerst bemerkte ich gar nicht, um was es in der Serie überhaupt ging. Dass ich das Buch gelesen hatte und mir die Story vertraut war, wurde mir erst klar, nachdem die Serie angelaufen war und der große Hype begann. Zu Schulzeiten hatte ich das Buch geschenkt bekommen und konnte mich auch erinnern, es krass gefunden zu haben. Ein paar Details waren auch noch vorhanden, die ich im Nachhinein betrachtet aber wirklich wirr durcheinanderbrachte. Dennoch musste ich die Serie sehen. Trotz Aufschrei! Wegen des Aufschreis!

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Quelle: Giga

Tote Mädchen Lügen Nicht ist keine gute Laune-Unterhaltungs-Serie, sondern eine die-Welt-ist-schlecht-Serie. Nicht insgesamt natürlich und auch nicht jeder Mensch, aber jeder ist mal zu irgendwem ein Arschloch und wenn sich die Dinge dann ungünstig verketten, dann kann das tatsächlich zu einem Selbstmord führen. In Hannahs Fall denkt man auch erst, dass sie mit den Gemeinheiten doch klarkommen müsste, dass jedem Mal etwas Dummes passiert, dass man drüberstehen muss. Aber könntet ihr das wirklich? Je mehr Mist sich aneinanderreiht, je mehr Menschen du verlierst, je einsamer du dich fühlst, irgendwann gibst du dich auf. So charakterstark man auch sein mag, irgendwann ist Schluss. Genau das hat mir die Serie zumindest gezeigt und genau deswegen fange ich auch mit meinem Fazit an: Hört zu! Seid tolerant! Die Welt ist schlecht, macht da nicht mit!

Doch von vorn: Wer ist eigentlich diese Hannah und was ist überhaupt passiert?

Hannah Baker ist ein Teenager, lebt in einem guten Elternhaus und geht zur Highschool. Hannah Baker begeht Selbstmord. Vor ihrem Tod hat sie Kassetten mit 13 Gründen für ihr Handeln aufgenommen. Die 13 Gründe haben mit jeweils einer Person zu tun. Jede dieser Personen erhält die Kassetten.

Was ist das Besondere an der Serie?

Wirklich gut ist die zweiseitige Darstellung der Handlung. In der Gegenwart sieht man Clay, der die Kassetten im Moment besitzt und sich anhört. Die Kassetten, die er hört, spielen allerdings in der Vergangenheit und zeigen Hannah in den Situationen, die sie zu ihrer Entscheidung geführt haben. Diese wechselseitigen Handlungen sind wirklich verblüffend gut umgesetzt, die filmischen Mittel wirklich genial, sodass man echt aufpassen muss, in welcher Zeitschiene man gerade ist.

Außerdem ist Clay an sich auch sehr entscheidend für die Serie. Er hat Hannah geliebt. Er erträgt die Kassetten nicht. Während andere vor ihm alle Kassetten in einer Nacht gehört haben, leidet er bei jeder Einzelnen und erträgt ihre Stimme, ihre Geschichten und ihr Leid nie eine ganze Kassette am Stück. Und das spürt der Zuschauer. Durch Clay erfährt man, wie verzweifelt Hannah war und wie verzweifelt er jetzt ist. Die Hilflosigkeit und die ganze Tragik der Geschichte werden durch Clay verkörpert. Ich war begeistert von dieser Umsetzung und der schauspielerischen Leistung!

Allein durch diese Erzählweise und den leidenden Clay ist die Serie schon sehr gut. Aber auch die Interaktion zwischen den anderen „Namen“ auf den Kassetten, also den weiteren Mitschülern ist absolut spannend. Keiner will, dass die Geheimnisse ans Licht kommen, alle verschwören sich miteinander, obwohl sie eigentlich nichts außer die Kassetten verbindet. Auch das ist super spannend zu verfolgen!

Was die Serie noch mal mehr intensiviert, sind die Szenen mit Hannahs Eltern, die nichts vom Leid ihrer Tochter geahnt haben. Auch sie kämpfen und auch sie leiden. Sie glauben nicht an einen grundlosen Selbstmord und suchen nach der Wahrheit. Sie wollen Antworten und suchen den Kontakt zu Hannahs Mitschülern, Lehrern, zu Hannahs Vergangenheit und ihren Erinnerungen. Auch diese Perspektive auf die Geschichte ist unendlich tiefgründig und spannend.

Das Besondere ist also, dass die Geschichte aus jeder einzelnen Perspektive relativ unspektakulär wirkt. Aber das Zusammenwirken der Sichtweisen, der Akteure und ihren Handlungen lässt eine Geschichte entstehen, die einfach tragisch und traurig ist. Wenn ein Einzelner anders gehandelt hätte, hätte es nicht so weit kommen müssen. Und genau das, lässt Clay so leiden – und mit ihm den Zuschauer!

Ist das Buch auch so gut?

Nein, ich denke nicht. Die Umsetzung des Buches ist wirklich genial! Das Buch selbst enthält die Geschichte, aber beim Lesen hat mich die Story keineswegs so gefesselt wie schon die erste Episode der Serie. In der Serie wurden auch ein paar Dinge geändert und die Geschichte noch erweitert, sodass das Buch wirklich in den Schatten gerückt wird. Trotzdem erinnere ich mich, dass ich das Buch gern gelesen habe, es sehr gut geschrieben ist und die Annäherung an das Suizid- und Mobbingthema wirklich gelungen ist.

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Quelle: Moviepilot

Die Serie ist also nicht ohne Grund eine der erfolgreichsten Netflix-Produktionen und auch trotz Teenie-Grundstoff, ein echtes Muss! Die Serie ist wirklich toll, ich werde sie ganz sicher demnächst noch mal anschauen und bin schon echt auf die Fortsetzung gespannt!

ahoi-katharina

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2 Gedanken zu “Tote Mädchen Lügen nicht // Review

  1. Katharina Budäus schreibt:

    Hallo Katharina, genauso wie du habe ich erst nur die Werbung wahrgenommen und dann den Aufschrei. Ich beschloss irgendwann die Serie zu sehen und fand mich selbst als Teenie wieder. Die Schauspieler und Charakter zogen mich recht schnell in den Bann und ich war hin und her gerissen. Mal war ich voll auf der Seite von dem einen, dann schwankte ich wieder rüber zu dem anderen. Besonders die Erkenntnis, dass es Dinge gibt die für den einen nicht wichtig erscheinen und dem anderen die Welt bedeuten und dass man nie weiß wie andere gesagt Dinge oder Handlungen empfinden hat mich nicht mehr los gelassen. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung und finde die Umsetzung des Themas sehr authentisch und gelungen. Allerdings bin ich auch der Meinung es ist noch nichts für 12 jährige. Realität und Serie muss man schon trennen und bei der Gefahr eine Sympathie für die Rollen und die Darsteller zu entwickeln ist es wichtig mit dem Inhalt der Serie umgehen zu können so sehr es uns „Erwachsene“ auch immer wieder schockiert.
    Lieben Gruß

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    • madamedimanche schreibt:

      Hey Katharina, danke für deinen ausführlichen Beitrag. Ich verstehe total was du meinst! Die Serie hat echt viele Facetten. Auf die Altersbeschränkung habe ich gar nicht geachtet, aber ich stimme dir voll zu. Mit 12 kann man das Gesehene vermutlich noch nicht so „gut“ beurteilen wie wir. Aber das Gefühl habe ich bei den Altersangaben fast immer 😉 Ahoi, Katharina!

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